Wein

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Inhaltsverzeichnis

Gesundheit


Negative Punkte

Alkoholismus

Herzinfarkt

Zuviel Alkohol, also mehr als 60 Gramm Alkohol oder fünf Gläser Wein täglich, führt jedoch zu einem deutlich erhöhten Herzrisiko.

Einfache Berechnung von 60 Gramm Alkohol:

  • Wir nehmen einen sehr hochprozentigen Wein, um auf der sicheren Seite zu sein: 15% Alkohol
  • Ein Liter enthält demnach 1,5 dl Alkohol
  • Alkohol is leichter als Wasser: 1,5 dl Alkohol entsprechen somit 1,5 * 0.79=118g Alkohol.
  • Es wird also ab einem halben Liter kritisch, wobei 60 Gramm eine hohe Dosis ist!

Alkohol und Krebs

Wir wissen jetzt, dass Alkoholmissbrauch mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht wird, vornehmlich Krebs des Hals-Rachen-Raums, der Leber und des oberen Verdauungstraktes. Für moderate Alkoholtrinker jedoch sind die neuesten Forschungsergebnisse ermutigend:

Die Amerikanische Krebsgesellschaft berichtet von einer Studie aus dem Jahre 1998, in der die Krebssterblichkeit von Leuten, die 1,5 - 3 Drinks (12 g) pro Tag tranken, verglichen mit Abstinenzlern, um 20% geringer war. Ähnliche Ergebnisse wurden 1998 auch von Dr. Serge Renaud veröffentlicht; in seiner Studie tranken die Männer 2-3 Drinks am Tag. Bei mehr Drinks am Tag stieg das Krebsrisiko jedoch wieder an.

Positive Punkte

French Paradox

Jeder, der sich mit Weinkonsum auch theoretisch beschäftigt stolpert früher oder später über einen Begriff: French Paradox. Dieser Ausdruck bezeichnet das Phänomen, das in Frankreich Todesfälle in Folge koronarer Herzkrankheiten im Vergleich zu anderen Ländern relativ selten vorkommen. Dabei ist der Verzehr der, das Herz-Kreislauf-System belastenden, gesättigten Fettsäuren, länderübergreifend gleich hoch. Durch eine statistische Analyse fand Professor Serge Renaud heraus, das dies mit dem erhöhten Rotweinkonsum in Frankreich zusammenhänge müsse.

Im Rahmen weiterer Studien bestätigte sich dieses Ergebnis. Mittlerweile kennt man eine Vielzahl an Faktoren, durch die der Wein positiv auf den menschlichen Körper wirkt.

LDL und HDL

Im Körper gibt es zwei unterschiedliche Cholesterin Transporter Zellen: LDL- Cholesterin und HDL- Cholesterin. Aus Cholesterin entstehen Hormone, Gallensäuren und Zellwandbestandteile. LDL transportiert Cholesterin zu den Körperzellen. Überschüssiges Cholesterin wird von den HDL- Transportmolekülen wieder zurück zur Leber transportiert.

Die HDL- Teilchen werden auch als das "gute" Cholesterin bezeichnet, während LDL als das "schlechte" Cholesterin verschrien ist. Wenn zu wenige HDL- Transporter-Zellen zur Verfügung stehen, wird die Zelle mit Cholesterin überschüttet, weil der Rücktransport nicht mehr klappt. In dem Fall nimmt die Zelle kein Cholesterin mehr auf, und dieses staut sich davor. Dadurch kommt es zu Gefäßverengungen (Arteriosklerose) und im schlimmsten Fall droht der der Herzinfarkt.


Alkohol und Polyphenole

Der Alkohol im Wein senkt beispielsweise die Menge an Fibrinogen. Das sind Faserstoffe die zur Pfropfenbildung benötigt werden. Pfropfen können die Gefäße verstopfen. Gleichzeitig mindert Alkohol die Arteriosklerose, weil er Blutplättchenklumpen, die die Gefäßwände verengen, auflöst. Zusätzlich wirkt Alkohol gefäßerweiternd, was den Blutdruck und die Gefahr eines Gefäßverschlusses senkt.

Die Phenole im Wein senken ebenfalls die Thrombozytenaggregation (Blutplättchenklumpen), sie heben den HDL- Cholesterin-Spiegel und wirken ebenso gefäßerweiternd.

Bei gesunden Menschen führt moderater Alkoholkonsum dazu, dass die HDL- Konzentration im Blut ansteigt und es so zu einer effektiveren LDL- Cholesterin-Entsorgung kommt. Zuviel Alkohol, also mehr als 60 Gramm Alkohol oder fünf Gläser Wein täglich, führt jedoch zu einem deutlich erhöhten Herzrisiko.

Inhaltstoffe im Wein

Wein besteht mehrheitlich aus Wasser (80%), den Rest machen sehr verschiedenartige Substanzen aus, wie u.a. Geruchs-, Farb- und Geschmacks- und Gerbstoffe, Äthylalkohol, verschiedene Zucker (Glucose, Fructose u.v.a.), Elektrolyte und Vitamine, insbesondere die Vitamine B6 (Pyridoxine) und C (Ascorbinsäure), wobei Vit. B6 unerlässlich für die Funktion des zentralen Nervensystems ist und Vit. C als Radikalfänger eine Schutzfunktion ausübt. Mit einem Glas Wein pro Tag kann noch nicht einmal ein Fünftel des Tagesbedarfs dieser Vitamine gedeckt werden.

Insbesondere den in Schalen und Kernen in hoher Konzentration vorkommenden Phenolen und Polyphenolen - hier v.a. den Flavonoiden, Salicylaten und den Tanninen - und dem Alkohol werden zur Zeit die positiven Wirkungen des Weins zugesprochen. Phenole finden sich in hoher Konzentration v.a. im Rotwein und im Holz der Fässer.

Polyphenole im Wein

Polyphenole sind so genannte sekundäre Pflanzenstoffe die sich in Obst und Gemüse sowie deren Säften finden, insbesondere in Schalen, Stielen und Kernen, wie etwa der Weintraube. Mittlerweile konnten rund 4000 verschiedene Polyphenol-Arten nachgewiesen werden. Ernährungsphysiologisch am besten erforscht sind Quercetin, Catechin, Epicatechin und Resveratrol. Allen gemeinsam ist, dass sie vor Krebs schützen und die Verklumpung von Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) verhindern, die zur Arterienverkalkung und im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führen kann.

Quercetin und Catechin

Quercetin wirkt relaxierend und gefäßerweiternd, das heißt, der Durchmesser der blutführenden Gefäße erweitert sich, so dass Arterien nicht so schnell verkalken. Forscher der Universität Köln fanden jedoch heraus, dass die gefäßerweiternde Wirkung von Quercetin nur bei Barrique- Rotweinen eintritt. Verantwortlich könnten die Tannine aus dem Holz der Fassdauben sein, die sich in Barrique- Rotweinen finden. Diese stammen aus der Familie der Phenole und sind vor allem bei roten Weinen reichlich vorhanden. Durch Reifung im Holzfass wird die Tannin- Konzentration erhöht. Tannine töten schädliche Bakterien und Viren ab, die sich beispielsweise in der Nahrung befinden.

Quercetin ist vor allem im Wein sonnenreicher Gegenden üppig vorhanden. Außerdem findet es sich noch in Knoblauch, Zwiebeln und Lauch. Am besten wird Quercetin allerdings in alkoholischer Lösung, zum Beispiel in Wein, von den Schleimhäuten aufgenommen.

Catechin findet sich in relativ hoher Konzentration im Wein und ist vom Menschen resorbierbar. Dieses Phenol wirkt antioxidativ und hemmt die Thrombozytenaggregation.

Resveratrol

Resveratrol ist ein Fungizid, also ein Pilzhemmstoff, der voranging in Trauben aus kühlen und feuchten Gegenden vorkommt. Er findet sich konzentriert in Rotwein aber auch in weißem Chardonnay. Resveratrol wirkt der Thrombozytenaggregation entgegen und schützt den Organsimus vor freien Radikalen. Freie Radikale sind hochreaktive Teilchen, die sich in körpereigne Substanzen wie Eiweiße, Fette oder gar die Erbsubstanz drängen, und eine Kettenreaktion in Gang setzten können, durch die einzelne Zellen, ganze Kolonien oder gar die DNA zerstört werden kann. So kommt es zur Entwicklung von Krebs. Freie Radikale entstehen beispielsweise durch Stress, Umweltgifte oder Zigarettenrauch.

Resveratrol kann die Kettenreaktion stoppen und wirkt somit krebsverhütend.

Traubensaft

Es drängt sich die Frage auf, ob Traubensaft nicht ebenso gut wirkt wie Wein. Die Antwort lautet: Nein. Da bei der Saftherstellung die Traubenschale und die -kerne entfernt werden, enthält Traubensaft nur sehr wenige Polyphenole.

Positive Wirkung auf Herz und Kreislauf

  • Gefäßerweiterung mit geringer Blutdrucksenkung
  • Wirkung als Antioxidans
  • Senkung der schädlichen Blutfette (LDL)
  • Hemmung der Blutgerinnung (Senkung des Thrombose-Risikos)
  • Bei übertriebenem Konsum: erhöhtes Herzinfarkt und Schlaganfallrisiko

Intelligenz

Je intelligenter der Mensch ist, desto eher trinkt er Wein! Solche Meldungen erfreuen das Herz des Weintrinkers (das ja durch die Polyphenole des Weins sowieso schon besser in Schuss ist als das von Abstinenzlern). Nun also sind wir auch noch klüger. Es kommt immer besser! Eine Studie der Uni Kopenhagen bestätigt die heimliche Annahme vieler Weinfreunde, dass mit steigendem IQ die Wahrscheinlichkeit steigt, einen Weintrinker vor sich zu haben.

Stochastiker (vor allem die Bierliebhaber unter ihnen) mögen jetzt vielleicht einwenden, dass in Dänemark Wein vermehrt von Personen mit höherem Einkommen getrunken wird und diese Gruppe in der Regel eine bessere Bildung genossen hat. Aber dieser Zusammenhang wurde in der dänischen Studie natürlich berücksichtigt – und trotzdem bleibt es bei der "signifikanten Korrelation"!

Bleibt die Frage: Macht nun Wein schlau oder trinken kluge Leute Wein? Hier hilft vielleicht eine Langzeitstudie des Londoner University College weiter. Ein Test mit 10.000 britischen Beamten (aus einer Bildungsschicht) ergab, dass bei einem Intelligenztest diejenigen die besten Ergebnisse erzielten, die pro Tag eine halbe Flasche Wein tranken. Die Forscher erklären sich dieses Phänomen damit, dass der Wein den Blutfluss im Gehirn erhöht, woraus letztendlich die bessere Denkfähigkeit resultieren könnte. Aber auch hier wird der Pessimist natürlich einwenden, sei noch nicht geklärt, was zuerst da war, die Intelligenz oder die Affinität zum Wein.

Was kann man den vielen Biertrinken nun raten? Vielleicht kann man es so sagen: Es ist auf alle Fälle nicht dumm, Wein zu trinken.

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