Pilze

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Die Pilze (Fungi) bilden neben den Tieren, Pflanzen und Protisten ein eigenes Reich. Landläufig werden sie jedoch (fälschlicherweise) den Pflanzen zugeordnet. Als Eukaryoten besitzen Pilzzellen mindestens einen echten Zellkern (Nukleus) und ein Cytoskelett. Die Vermehrung und Ausbreitung erfolgt geschlechtlich und ungeschlechtlich durch Sporen oder vegetativ durch Ausbreitung (eventuell mit Fragmentierung) der in verschiedenen Fällen sehr langlebigen Myzelien bzw. Mykorrhizen. Pilze sind heterotroph und ernähren sich meist durch das Ausscheiden von Enzymen in die unmittelbare Umgebung, wodurch Nährstoffe aufgeschlossen werden und in die Zellen aufgenommen werden können.

Lange zu den Pflanzen gerechnet, gelten Pilze heute aufgrund genetischer und physiologischer Eigenschaften als wesentlich näher mit den Tieren verwandt. Pilze kommen wie die Backhefe als Einzeller oder wie etwa der Steinpilz als Mehrzeller vor. Von den Pflanzen unterscheiden sich die Pilze durch ihre heterotrophe Lebensweise, die ohne das Pigment Chlorophyll auskommt, und durch das Vorkommen von Chitin in der Zellwand. Von den Tieren unterscheiden sie sich unter anderem durch das Vorhandensein einer Zellwand.

Die früher als „Niedere Pilze“ bezeichneten Gruppen, also Schleimpilze, pilzähnliche Protisten wie die Eipilze (Oomycota) oder Hypochytriomycota werden heute nicht mehr zu den Pilzen (Fungi) gezählt.

Die Lehre von den Pilzen ist die Mykologie. Das Wort „Pilz“ entstammt dem Althochdeutschen buliz und ist wahrscheinlich vom lateinischen boletus abgeleitet. Hieraus entwickelte sich über bülez und schließlich bülz die moderne Form des Wortes. In Süddeutschland und Österreich wird anstelle von Pilz auch das Wort Schwammerl verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau der Pilze

Das Größenspektrum der Pilze reicht von mikroskopisch kleinen Arten bis zu den leicht erkennbaren Grosspilzen. Das Myzel einer Hallimaschart (Armillaria ostoyae, in Amerika Honey Mushroom genannt) aus dem Malheur National Forest (USA) ist mit einer Ausdehnung von 900 Hektar und einem geschätzten Alter von 2400 Jahren eines der ältesten und das größte Lebewesen der Erde.

Pilze existieren in zwei unterschiedlichen Formen: als Hyphengeflecht oder als Einzeller (Hefen oder auch Sprosspilze genannt). Hefen sind einzellige Stadien, die sich hauptsächlich asexuell durch Bildung von Blastokonidiosporen oder durch Sprossung vermehren.

Die Hyphen bilden im Substrat ein mikroskopisches Geflecht, das Myzel genannt wird. Dieses nimmt Nährstoffe aus der Umgebung auf. Die Hyphen bestehen aus einzelnen Hyphenzellen, die durch Septen voneinander getrennt sind. Die Septen (Trennwände) enthalten Poren, die einen Austausch von Cytoplasma gewährleisten. Der Pilz liegt in seiner vegetativen Phase entweder als Myzelium oder Sprosszelle vor; er lebt im Substrat wie dem Boden, Holz oder Pflanzengewebe. Die verschiedenen Fruchtkörper der Großpilze sind das äußerlich auffälligste Erkennungsmerkmal; ob hut-, keulen-, knollen- oder krustenförmig, bestehen sie aus verflochtenen Hyphen, die ein „Scheingewebe“ (Plektenchym) bilden. Vielzellige Hyphenaggregationen werden auch Thalli genannt. Die Fruchtkörper stellen jedoch nur einen kleinen Teil des Gesamtorganismus Pilz dar, und dienen der Vermehrung durch Bildung von Sporen, die aus einer Meiose hervorgegangen sind. Die Sporen werden bei vielen Pilzen in besonderen Fruchtschichten der Fruchtkörper gebildet (Hymenien). Bei Hutpilzen befindet sich die Fruchtschicht unter dem Hut; sie kann aus Leisten, Lamellen oder Röhren bestehen. Bei vielen Schlauchpilzen befindet sich das Hymenium knapp unter der Oberfläche des Fruchtkörpers in kleinen Kammern (Perithekien), die wie Pusteln aussehen.

In den Zellwänden der Hyphen kommen als Baustoffe Chitin, Hemizellulosen, Lipide, Proteine und andere Stoffe vor. Die Hyphen können sich auch stark abwandeln und spezialisieren; so bilden pflanzenparasitische Pilze oft Haustorien aus. Diese stülpen sich in pflanzliche Zellen, um dort Nährstoffe aufzunehmen. Einige bodenbewohnende, carnivore (fleischfressende) Pilze sind sogar in der Lage, mit ihren Hyphen Schlingfallen für kleine Fadenwürmer Nematoden auszubilden. Beim Durchkriechen werden die Nematoden dadurch festgehalten, dass sich der Hyphendurchmesser der Schlingenhyphe schnell vergrößert und sich somit die Schlingenöffnung schnell verkleinert. Eine andere Abwandlung vegetativer Hyphen sind die Substrat- oder Lufthyphen. Mehrere Bündel von Hyphen legen sich parallel aneinander und bilden makroskopisch sichtbare Hyphenstränge(Synnemata), aus denen je nach Milieu- oder Umweltänderung entweder Überdauerungsorgane (Sklerotien, Chlamydosporen) oder ungeschlechtlich erzeugte Sporen entstehen können (Konidiosporen).

Die vermutlich ursprünglichste Form der Pilze, die Töpfchenpilze (Chytridiomycota) bilden keine Hyphen, sondern einen undifferenzierten Thallus aus. Bei vielen Töpfchenpilz-Arten kommen während ihres Lebenszyklus begeißelte Stadien vor, was auf einen gemeinsamen Ursprung von Tieren und Pilzen hindeutet.

Fortpflanzung

Bei Pilzen kann die Fortpflanzung sowohl geschlechtlich durch Generationswechsel als auch ungeschlechtlich durch Abschnüren von vegetativen Teilen erfolgen.

Geschlechtliche Vermehrung

Durch eine Reduktionsteilung (Meiose) erzeugen die Pilze sexuelle Sporen (Meiosporen). Das Meiosporangium, das Organ zur Erzeugung der Sporen, ist bisweilen sehr typisch ausgebildet und dient als Grundlage zur Differenzierung der Pilze. Bei den Schlauch- und Basidienpilzen sind es die Asci bzw. Basidien. Nach der Keimung der aus der Meiose hervorgegangenen Meiosporen ist das daraus entstehende Pilzgeflecht (Primärmycel) ein zunächst meist haploides Monokaryon, enthält also pro Zelle nur einen Zellkern. Wenn sich zwei unterschiedliche vom Kreuzungstyp passende Myzelien begegnen, so bilden sie eine Kreuzungsbrücke aus. Über diese werden die genetisch unterschiedlichen Zellkerne ausgetauscht. Dieser Vorgang heißt Plasmogamie. Eine Hyphe mit unterschiedlichen Zellkernarten nennt man Heterokaryon. Da bei Schlauch- und Basidienpilzen nur maximal zwei genetisch unterschiedliche Zellkerne je Thallus möglich sind, werden diese beiden Abteilungen der Pilze auch gerne zu den Dikaryomycota zusammengefasst. Ihre Thalli sind nach der Plasmogamie dikaryotisch. Es gibt aber auch Abweichungen von diesem Schema. So wurden auch schon diploide - durch Kernfusion vereinigte - Zellkerne in Hallimasch-Myzelien gefunden. Dieser Zustand existiert sonst nur in der Phase der geschlechtlichen Sporengenese in den Meiosporangien.

Die Zahl der produzierten Sporen hängt von der Art ab. Der Riesenbovist (Langermannia gigantea), der so groß wie ein Riesenkürbis werden kann, hält mit 5 und 15 Billionen Sporen den bisherigen Rekord. Ein durchschnittlicher Steinpilz produziert immerhin noch einige Milliarden Sporen.

Ungeschlechtliche Vermehrung

Bei den Pilzen ist die ungeschlechtliche, vegetative oder asexuelle Vermehrung häufig. Es gibt sogar sehr viele Pilze, welche die Fähigkeit zur sexuellen Reproduktion vollständig verloren haben. Diese Gruppe nennt man Fungi imperfecti oder Deuteromycota. Darunter befinden sich Schimmelpilze und etliche pflanzenschädigende Arten. Die ungeschlechtlich erzeugten Sporen nennt man Mitosporen oder Konidiensporen (Konidiosporen). Sie entstehen meist durch Ausstülpungen am Ende der Hyphen (akropetale Konidosporen).

Ökologie

Pilze bilden neben Pflanzen und Tieren das dritte Reich der vielzelligen Eukaryoten. Entsprechend groß ist ihre ökologische Bedeutung.

Pilze als Destruenten

Alle Pilze sind für ihren Stoffwechsel auf die von anderen Lebewesen gebildeten organischen Stoffe angewiesen (Heterotrophie). Sie bilden die wichtigste Gruppe der am Abbau organischer Materie (tote Lebewesen, Exkremente, Detritus) beteiligten Lebewesen und gelten damit neben den Bakterien als bedeutendste Destruenten. So sind es fast ausschließlich Pilze, die Lignin, komplexe Verbindungen in verholzten Zellwänden von Pflanzen, aufspalten und verwerten können. Auch im Abbau von Zellulose, Hemizellulose und Keratin sind sie die wichtigsten Verwerter. Bild:Polyporus squamosus 01.jpgZusammen mit Bakterien und tierischen Kleinstlebewesen bilden sie aus organischem Abfall den Humus.

Mykorrhiza

Man nimmt an, dass etwa 80 Prozent aller Pflanzen durch die Anwesenheit von Pilzen im Boden in ihrem Wachstum gefördert werden. Oft sind die Wurzeln der Pflanzen von einem Mantel aus Pilzfäden (Pilzhyphen), einem Myzelmantel, umgeben. Diese Art der Symbiose zwischen Pilz und Pflanze wird als Mykorrhiza (Pilzwurzel) bezeichnet. Bei der Mykorrhiza sind die Baumwurzeln von den Hyphen des Pilzes eng umschlungen. Es findet Stoffaustausch statt: Der Baum produziert Kohlenhydrat und gibt diese an den Pilz ab, dieser ernährt sich davon. Der Baum erhält vom Pilz Wasser und Mineralstoffe. Dadurch gedeiht der Baum besser, da zusätzliches Wasser ihm gut tut. Baum und Pilz ziehen also beide Nutzen aus ihrer Symbiose, es handelt sich um einen Mutualismus. Sie wurde 1885 erstmals von Albert Bernhard Frank an Waldbäumen beobachtet. Auch viele Orchideen leben mit Pilzen in Symbiose und sind für die Keimung ihrer Samen unter natürlichen Bedingungen obligat auf ihre Symbiosepartner angewiesen.

Pilze als Pflanzenschädlinge

Viele Pilzarten nutzen nicht nur totes, sondern auch lebendiges Material und werden dadurch bei wirtschaftlich wichtigen Nutzpflanzen zu Pflanzenschädlingen. Als solche können sie schwere Pflanzenkrankheiten hervorrufen. Wichtige Beispiele sind die weit verbreiteten Pilzerkrankungen der Kastanien oder der Ulmen. Pilzliche Erkrankungen der Pflanzen können ohne Vorbeugung oder Gegenmaßnahmen zu Totalausfällen und Missernten führen. Zu den Pflanzenschädlingen gehören auch viele Arten der Baumpilze.

Wirtschaftlich wichtige Pilzkrankheiten sind Maisbeulenbrand, Steinbrand bei Weizen, Mutterkorn bei Roggen, Kartoffelfäule (Phytophtora infestans), Welkekrankheit (Verticillium) bei vielen Kulturpflanzen, Apfelschorf (Venturia), Birnengitterrost (Gymnosporangium sabinae), Obstbaumkrebs (Nectria galligena) und Echter Mehltau (Erisyphaceae). Daneben existieren noch circa 10.000 weitere pilzliche Pflanzenkrankheiten.

Bedeutung für den Menschen

Menschen nutzen Pilze in vielerlei Hinsicht, etwa als Speisepilz oder als Biofermenter zur Herstellung von Alkohol, Zitronensäure oder Vitamin C. Auch in der menschlichen Kultur und Technik spielen Pilze eine wichtige Rolle.

Pilze sind aber auch Krankheitserreger und können beim Menschen zahlreiche Pilzkrankheiten hervorrufen.

Speise- und Giftpilze

Viele Pilzarten sind bekannte und beliebte Nahrungsmittel. Dazu gehören nicht kultivierbare Arten, wie Steinpilz, Pfifferling und Trüffel, aber auch Kulturarten und -sorten von Champignon, Shiitake und Austernpilz. Beim Sammeln von Wildpilzen ist größte Sorgfalt geboten, um nicht durch versehentlich geerntete Giftpilze eine Pilzvergiftung zu riskieren. Als wichtigste Voraussetzung für das Sammeln von Pilzen gelten grundlegende Kenntnisse von Speise- und Giftpilzen. Viele Pilzarten enthalten giftige Hämolysine oder hitzelabile Gifte, die durch das Erhitzen zerstört werden. Lediglich einige Speisepilze wie Steinpilze und Champignons können ohne Bedenken auch roh verzehrt werden.

Die meisten Speisepilze gehören zu den Basidienpilzen. Relativ wenige Speisepilz-Arten, darunter die Morcheln und die Trüffel stammen aus der Abteilung der Schlauchpilze (Ascomycota).

Bedeutung für alkoholische Getränke und Milchprodukte

Von den einzelligen Pilzen sind die Wein-, Bier- oder Backhefen die bekanntesten Nutzpilze.

Bei der Weinherstellung spielt der Mycelpilz Botrytis cinerea eine wichtige Rolle. Er erzeugt bei herbstlich kühlfeuchtem Wetter bei den Beeren eine Edelfäule, die bewirkt, dass die Beerenhaut perforiert wird. Das austretende Wasser läßt die Zuckerkonzentration in der Beere steigen.

Viele Arten spielen auch beim Reifeprozess von Milchprodukten, insbesondere von Sauermilchprodukten und Käse, eine bedeutende Rolle.

Heilpilze

Pilze werden auch als Heilpilze verwendet. In der heutigen Volksrepublik China sind zahlreiche Großpilze schon seit Jahrhunderten Bestandteil der Traditionellen chinesischen Medizin. Der Shiitake (Lentinula edodes) galt schon in der Mingdynastie (1368-1644) als Lebenselixier, das Erkältungen heilen, die Durchblutung anregen und Ausdauer fördern sollte. Der Glänzende Lackporling (Ganoderma lucidum) ist als „Ling-Zhi“ oder „Reishi“ bekannt; er soll ein besonders wirksames Tonikum sein. Der Pom-Pom-Pilz oder Igelstachelbart (Hericium erinaceus) wird demnach bei Erkrankungen des Magens empfohlen. Der europäische Apothekerschwamm oder Lärchenbaumschwamm (Laricifomes officinalis) ist als Heilmittel gesucht und hoch geschätzt. Sein wirksamer Bestandteil ist Agaricinsäure; sie wirkt stark abführend und ist für den außerordentlich bitteren Geschmack verantwortlich.

Zauberpilze

Zauberpilze oder Rauschpilze sind Synonyme für Pilze, die halluzinogene Substanzen enthalten. Es gibt exotische Arten wie den Kubanischen Träuschling oder den Mexikanischen Rauschpilz (Psilocybe mexicana) aber auch einheimische Arten, vor allem aus der Gattung der Kahlköpfe (Psilocybe). Ihre Wirkung ist meist ähnlich der des LSDs. Der Genuss von Zauberpilzen kann im Krankenhaus enden, wenn entweder falsche Arten gesammelt wurden, oder die Wirkung der Pilze unterschätzt wurde. Die Verwendung von Rauschpilzen hatte und hat noch heute bei verschiedensten Völkern eine rituell-religiöse Bedeutung.

Medizinische Bedeutung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts nutzt man Pilze auch für medizinische Zwecke. Medikamente wie das Antibiotikum Penicillin werden aus Pilzen gewonnen.

Andererseits greifen Pilze auch Menschen an und rufen bei ihnen Pilzerkrankungen hervor. Haut- und Nagelpilze sind wohl die bekanntesten Pilzkrankheiten des Menschen.

Weiterer ökonomischer Nutzen

Der als Baumschädling vor allem in Buchen und Birken wachsende Zunderschwamm, Fomes fomentarius, ein Weißfäulepilz, wurde früher zum Feuermachen verwendet: Das Innere der aus den Baumstämmen konsolartig herauswachsenden Fruchtkörper wurde gekocht, getrocknet, weichgeklopft, mit Kaliumnitrat-Lösung getränkt und erneut getrocknet. Der so erhaltene Zunder kann durch Funken entzündet werden.

Durch bloßes Kochen, Trocknen und Weichklopfen kann aus dem Fruchtkörper-Inneren auch ein dem Filz ähnliches Material gewonnen werden, das zur Herstellung verschiedener Gebrauchsgegenstände (Mützen, Taschen und dergleichen) verwendet werden kann.

Aufsehen erregen die unscheinbaren Zapfenrüblinge in der Fachwelt, da in ihnen Strobilurine entdeckt wurden, deren synthetische Abkömmlinge innerhalb weniger Jahre einen Marktanteil von etwa 20 Prozent des Weltmarktes an Fungiziden eroberten. Es ist davon auszugehen, dass ihre Bedeutung auf dem Fungizidmarkt noch weiter zunehmen wird.

Stammesgeschichte

Die nächsten Verwandten der Pilze sind die Tiere (Animalia), wobei dieser Begriff weit ausgelegt werden muss und auch die einzelligen Mesomycetozoa umfasst, die manchmal zu den Protisten gestellt werden. Ob auch die einzelligen Mikrosporidien (Microsporidia, auch Microspora genannt) zu den Pilzen zu zählen sind, ist derzeit noch unklar. Das gemeinsame Taxon von Pilzen und Tieren wird als Opisthokonta bezeichnet:

Opisthokonta
|--Tiere (Animalia)
|  |--Mesomycetozoa
|  |--Vielzellige Tiere (Metazoa)
|
|--N. N.
   |?-Microsporidien (Microsporidia)
   |--Pilze (Fungi)

Als gemeinsamer Vorfahr von Tieren und Pilzen kann ein geißeltragender Einzeller (Flagellat) angenommen werden, der biologisch demnach sowohl den heutigen Töpfchenpilzen als auch den Kragengeißeltierchen (Choanoflagellata) ähnelte.

Fossilien

Vermutlich existieren Pilze schon seit 900 bis 1200 Millionen Jahren. Ein Fund aus 850 Millionen Jahre altem Schiefergestein in Kanada wird manchmal als Pilzfossil gedeutet. Angebliche, ältere Funde aus China und Australien mit einem Alter von 1,5 Milliarden Jahren müssen jedoch erst noch als Pilze bestätigt werden.

Die ersten weitgehend unumstrittenen Pilzfunde stammen aus der erdgeschichtlichen Epoche des Ordoviziums und können vielleicht den Arbuskulären Mykorrhizapilze zugeordnet werden. Der erfolgreiche Landgang der Pflanzen wäre ohne „Pilzsymbiosen“ vermutlich nicht möglich gewesen.

Systematik der Pilze

Man kennt heute etwa 100.000 Arten von Pilzen. Manche Fachleute nehmen an, dass es über 1.000.000 Arten geben könnte. Die früher auch „Echte Pilze“ oder „Höhere Pilze“ (Eumycota) genannten Lebensformen werden in die folgenden fünf Abteilungen unterteilt:

  • Töpfchenpilze (Chytridiomycota): Dies sind meist einzellige Pilze. Weil begeißelte Stadien vorhanden sind, werden die Töpfchenpilze als sehr ursprüngliche Form der Pilze (Fungi) angesehen.
  • Jochpilze (Zygomycota): Sie unterscheiden sich von den anderen Pilze durch die Bildung der namensgebenden jochartigen Brücken zwischen kompatiblen Hyphen während der sexuellen Fortpflanzung. Die Zellwände enthalten Chitin-Chitosan. Die Jochpilze bilden wahrscheinlich keine natürliche Verwandtschaftsgruppe.
  • Arbuskuläre Mykorrhizapilze (Glomeromycota): Die Arbuskulären Mykorrhizapilze bilden eine typische Endomykorrhiza aus, bei der bäumchenartige Membranausstülpungen, die Arbuskel, in das Innere von pflanzlichen Wurzelzellen wachsen und auf diese Weise eine symbiotische Beziehung etablieren.
  • Schlauchpilze (Ascomycota): Die Zellen sind durch Septen getrennt und enthalten meist nur einen Zellkern. Die geschlechtlichen Sporen werden in charakteristischen Schläuchen, den Asci gebildet. Es gibt eine Reihe von Arten, bei denen makroskopische Fruchtkörper auftreten und die man daher als Großpilze bezeichnet.
  • Basidienpilze (Basidiomycota): Die Zellen sind ebenfalls durch Septen getrennt und enthalten meist zahlreiche unterschiedliche Zellkerne. Die geschlechtlichen Sporen werden in Basidien gebildet. Die überwiegende Anzahl von Arten Großpilze entstammt dieser Gruppe. Das Myzel kann im Extremfall wie beim Hallimasch mehrere tausend Jahre alt werden.


Technische Fortschritte in der molekularen Genetik und die Anwendung von computerunterstützten Analysemethoden haben es ermöglicht, detailliertere und auch sichere Aussagen über die systematischen Beziehungen der oben aufgeführten Pilztaxa zueinander zu machen. Manche Verwandtschaften, die vorher aufgrund morphologischer, anatomischer und physiologischer Unterschiede oder Gemeinsamkeiten vermutet wurden, sind durch diese Techniken bestätigt worden.

Die Töpfchenpilze haben sich demnach sehr früh von den anderen Pilzen abgespalten und viele ursprüngliche Merkmale wie begeißelte Sporen bewahrt. Die Jochpilze stellen hingegen sehr wahrscheinlich keine einheitliche Verwandtschaftsgruppe, sondern eine polyphyletische Gruppe verschiedenster Abstammungslinien dar. Die Gattung Amoebidium, die bisher zu ihnen gezählt wurde, gehört demnach nicht einmal zu den Pilzen. Auch die Arbuskulären Mykorrhizapilze, die ursprünglich zu den Jochpilzen gestellt wurden, werden heute als eigenständige Verwandtschaftsgruppe angesehen, die heute meist in den Rang einer eigenen Abteilung erhoben wird. Sie wird dann als evolutionäre Schwestergruppe eines Taxons aus Schlauch- und Basidienpilzen angesehen, das man als Dikaryomycota bezeichnet.

Viele Pilzarten haben ihre Fähigkeit zur geschlechtlichen Vermehrung verloren. Diejenigen Arten, die vorläufig nicht eindeutig einer der oben genannten Gruppen zugeordnet werden können, werden provisorisch zu den Fungi imperfecti (Deuteromycota) gestellt; dies stellt jedoch nur ein provisorisches und künstliches Formtaxon dar.

Pilzarten

Falscher Mehltau (Peronosporaceae),

Kulturgeschichte

Der griechische Arzt Pedanios Dioscurides schrieb schon im ersten Jahrhundert nach Christus in seinem Lehrbuch davon, dass es zwei Arten von „Schwämmen“ gäbe:

Die einen sind zu Essen bequem, die anderen aber ein tödlich Gift.“

Dioscurides vermutete, dass die Giftigkeit eines Pilzes mit seinem Wuchsort zusammenhing. Pilze die neben verrosteten Nägeln oder Eisen oder „faulem Tuch“, neben Schlangenhöhlen oder neben Bäumen, die giftige Früchte trugen, wuchsen, seien „alle miteinander giftig“. Er erkannte damals schon die schwere Verdaulichkeit von Speisepilzen, und schrieb davon, dass bei zu übermäßiger Kost die Pilze den Menschen „würgen und ersticken“ würden. Auch Adamus Lonicerus schrieb im 16. Jahrhundert in seinem Kräuterbuch über die Pilze, dass „Die Natur aller Schwämme sei, zu bedrängen“. Sie seien „kalter, phlegmatischer, feuchter und roher Natur“. Bis in die Neuzeit hinein wurde das Erscheinen von Pilzen mit „Miasmen“ erklärt; die Pilze entstünden aufgrund von schlechten Ausdünstungen der Erde, oder anderen faulenden Substraten. Auch glaubten damals viele noch an die Urzeugung (Generatio spontanea), weil man gerade auch bei den Pilzen keine Samen erkennen konnte. Adamus Lonicerus schrieb auch dazu, dass bestimmte Pilze, „Schwämme der Götterkinder“ seien, weil sie ohne einen Samen wüchsen, und daher würden sie auch von den Poeten Gygenais, das ist terra nati, Kinder der Erden, genannt.

Phänomene wie der Hexenring oder das nächtliche grüne Leuchten des Myzels des Hallimasch haben mit zu dem lange Zeit eher sinistren Bild der Pilze in der Öffentlichkeit beigetragen.

Literatur

Allgemeines



Mykologie

  • Heinrich Dörfelt (Hrsg.): Lexikon der Mykologie, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, New York, 1989, ISBN 3-437-20413-0
  • Heinrich Dörfelt, Heike Heklau: Die Geschichte der Mykologie, Einhorn-Verlag 1998, ISBN 3-927654-44-2
  • Emil Müller, Wolfgang Loeffler: Mykologie, Grundriss für Naturwissenschaftler und Mediziner, Thieme 1992, ISBN 3-13-436805-6
  • Edited by P. M. Kirk: Ainsworth and Bisby's Dictionary of the Fungi, 9th Edition. Utrecht, The Netherlands, 2001. 624 Seiten ISBN 085199377X (engl.)



Gesundheit

  • Rene Flammer, Egon Horak: Pilzvergiftungen. Schwabe Verlag Basel ISBN 3-7965-2008-1
  • Herbert Hof: Candida, Aspergillus und Co: Pathogene Pilze. Pharmazie in unserer Zeit 32(2), S. 96 - 103 (2003), ISSN 0048-3664



Bestimmung

  • Marcel Bon: Pareys Buch der Pilze, Kosmos (Franckh-Kosmos), 2005. ISBN 3440099709
  • Egon Horak, Meinhard Moser: Röhrlinge und Blätterpilze in Europa, Spektrum Akademischer Verlag, April 2005. ISBN 3827414784



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