Astralleib

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Der Astralleib (Kama-Rupa in indisch-theosophischer Bezeichnung) ist eines der 4 grundlegenden Wesensglieder des Menschen. Der Name kommt daher, dass er kosmischen Ursprungs ist und ursprünglich ein seelenhaftes Abbild der kosmischen Verhältnisse war, weswegen ihn auch Paracelsus als den siderischen Menschen bezeichnet hat. Aristoteles nennt ihn Aesthetikon. Der Astralleib ist der eigentliche Seelenleib des Menschen, gleichsam die Substanz, aus der die menschliche Seele gewoben ist. Er ist der Träger des Bewusstseins, der Triebe und Empfindungen - und des Egoismus. Die Ausdrücke "Leib" und "Substanz" dürfen dabei allerdings nicht im physisch-materiellen Sinn missverstanden werden, sondern sollen nur vergleichsweise auf die eigenständige, in sich geschlossene Existenz des menschlichen Seelenwesens hinweisen. Als solche relativ eigenständige Wesenheit wird der Astralleib erst mit der Geschlechtsreife um das 14. Lebensjahr geboren, während er bis dahin noch in eine viel weitere Astralsphäre eingebettet ist. Ebenso wie der Mensch durch seinen physischen Leib in der physischen Umwelt lebt, so lebt er durch seinen Seelenleib in einer seelischen Umgebung. Allerdings hat der Mensch heute davon kein klares Bewusstsein, da ihm dafür die entsprechenden seelischen Wahrnehmungsorgane fehlen. Durch entsprechende Seelenübungen können diese aber entwickelt werden, wodurch der Mensch zu einem bewussten Mitbewohner der Seelenwelt wird.

"In jedem Menschen ist so außer dem physischen Körper noch der astrale Körper, der so genannt wird, weil er für den Seher in einem hellen Lichte erglänzt, das ein Ausdruck ist für sein ganzes Lust- und Unlustleben, für alles, was als Gefühl in ihm lebt. So wie nicht nur Sie selbst wissen, daß Sie aus Fleisch und Blut bestehen, sondern die anderen Menschen dies auch wahrnehmen können, so sind die Lust- und Unlustgefühle nur solange für Sie allein da, als nicht ein anderer sie wahrnimmt. Etwas größer als Ihr physischer Körper ist Ihr astraler Organismus, etwas herausragend über denselben. Denken Sie sich einen Saal, in dem eine Versammlung abgehalten wird und in dem die verschiedenen Redner sprechen. Wenn ein Hellseher mit seinen Seheraugen den Saal durchschaut, nimmt er nicht nur die Worte wahr, die gesprochen werden, nicht nur die funkelnden Augen und die sprechenden Physiognomien, er sieht noch etwas anderes: er sieht, wie von dem Redner zu den anderen Menschen die Leidenschaften herüberspielen, er sieht, wie die Empfindungen und Gefühle in dem Redner aufleuchten, er sieht, ob ein Redner zum Beispiel aus Rache oder aus Enthusiasmus spricht. Bei dem Enthusiasten sieht er das Feuer des Astralkörpers ausströmen, und bei der großen Menge der Menschen sieht er eine Fülle von Strahlen; diese rufen wiederum in dem Redner Lust oder Unlust hervor. Da ist eine Wechselwirkung der Temperamente, die offen und klar vor dem Seher sich abspielt. Das ist eine ebenso wirkliche Welt, von der wir ein Teil sind, wie die äußere Welt, in der wir leben.

Nicht umsonst, nicht zwecklos hat die theosophische Bewegung den Menschen hingewiesen auf diese unsichtbaren Welten, von denen die Menschen ein Teil sind, in die wir fortwährend unsere Wirkungen hineinsenden. Sie können kein Wort sprechen, keinen Gedanken fassen, ohne daß Gefühle in den Raum hinauswirken. Wie unsere Handlungen in den Raum hinauswirken, so wirken auch die Gefühle; sie durchsetzen den Raum und beeinflussen die Menschen und die ganze astrale Welt. Der Mensch ist unter gewöhnlichen Verhältnissen sich nicht bewußt, daß ein Strom von Wirkungen von ihm ausgeht, daß er eine Ursache ist, deren Wirkungen überall in der Welt wahrzunehmen sind. Er ist sich nicht bewußt, daß er dadurch auch Unheil anrichten kann, daß er Ströme von Lust und Unlust, von Leidenschaften und Trieben in die Welt hinaussendet, die auf andere Menschen auf die schädlichste Weise wirken können. Er ist sich nicht bewußt, was er mit seinem Gefühlsleben bewirkt." (Rudolf Steiner: Über die astrale Welt und das Devachan, GA 88 (1999), Erster Vortrag, Berlin, 28. Oktober 1903, S. 26f)

Wenn der individuelle Menschengeist zu einer irdischen Verkörperung herabsteigt, umkleidet er sich, ehe er noch den belebten physischen Leib ergreift, zunächst mit dem Astralleib. Substanziell ist er den verschiedenen Bereichen der Seelen- oder Astralwelt entnommen. Als solche Bereiche nennt Rudolf Steiner (Rudolf Steiner: Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, GA 9 (1904), Kapitel Die Seelenwelt):

  1. Region der Begierdenglut
  2. Region der fließenden Reizbarkeit
  3. Region der Wünsche
  4. Region von Lust und Unlust
  5. Region des Seelenlichtes
  6. Region der tätigen Seelenkraft
  7. Region des Seelenlebens

Im Astralleib bilden sich im Kleinen die grossen überirdischen kosmischen Gesetzmässigkeiten ab, er wird daher zurecht als Sternenleib oder Astralleib bezeichnet. Paracelsus nannte ihn dementsprechend den «siderischen» Menschen. Sehr deutlich drücken sich diese kosmischen Gesetze im Leben, in den Instinkten der Tiere aus, die ebenso wie der Mensch mit einem Astralleib begabt sind. Eine ungeheure kosmische Weisheit waltet im Astralleib - die der Mensch aber in seinem gegenwärtigen Entwicklungsstand nicht ins Bewusstsein heben kann.

Durch die luziferische Versuchung, durch den Sündenfall, wurde der menschliche Astralleib allerdings korrumpiert durch überschäumende oder fehlgeleitete sinnliche Triebe und Begierden, und seine kosmische Weisheit dadurch teilweise in Unordnung gebracht. Es lebt in unserem Astralleib aber weiterhin die ungeheure Sehnsucht, wieder zu dieser ungebrochenen, heilen kosmischen Weisheit zurückzufinden. Aus eigener Kraft kann das dem Astralleib nicht gelingen, sondern nur durch die bewusste Tätigkeit des menschlichen Ichs. Aus den unbewussten Tiefen heraus leitet der Astralleib aber das Ich während des irdischen Lebens immer wieder in schicksalshafte Situationen, die gleichsam eine deutliche Aufforderung und zugleich eine Chance sind, vom Ich aus diese Verwandlung des Astralleibes voranzutreiben. Der Astralleib führt uns so, zwar oft sehr leidvoll, aber doch ungemein weisheitsvoll, unserem Schicksal zu; er ist der eigentliche Träger des Karma.

Zur menschlichen Seele wird der Astralleib erst durch die Tätigkeit des menschlichen Ichs, das den Astralleib nach und nach so verwandelt, dass sich darin immer mehr seine eigene geistige Individualität widerspiegelt und gewissermassen an die Stelle der makrokosmischen Bestimmungen setzt. Dadurch differenzieren sich die Seelenfähigkeiten des Denkens, Fühlens und Wollens immer mehr voneinander und unterstellen sich der bewussten Herrschaft der menschlichen Individualität. Der Mensch bildet sich dadurch seelisch zu einem eigenständigen Mikrokosmos aus, der sich, anders als das Tier, aus eigener bewusster Kraft mit dem grossen Makrokosmos in Einklang versetzen muss.

Obwohl Pflanzen keinen eigenen Astralleib haben, so stehen sie doch in inniger Beziehung zur Astralwelt:

"Wenn der Hellseher eine Pflanze betrachtet, wie sie mit der Wurzel im Boden wurzelt, Blätter und Blüten ansetzt, hat er zunächst vor sich die Pflanze, bestehend aus dem physischen Leibe und dem Ätherleib. Das Tier hat noch den Astralleib. Nun können Sie einmal die Frage aufwerfen: Haben die Pflanzen gar nichts von einem Astralleibe? Es wäre falsch, würde man das behaupten; er ist nur nicht drinnen, wie er in dem Tiere drinnen ist. Wenn das hellseherische Bewußtsein die Pflanze beschaut, so sieht es namentlich oben, wo die Blüten sind oder entstehen, die ganze Pflanze eingetaucht in eine astrale Wolke, eine helle Wolke, die die Pflanze namentlich an diesen Teilen umgibt und einhüllt, wo sie blüht und Früchte trägt. Also die Astralität senkt sich gleichsam auf die Pflanze nieder und hüllt einen Teil der Pflanze ein. Der Astralleib der Pflanze ist eingebettet in diese Astralität. Und das Eigentümliche davon ist, daß, wenn Sie sich die ganze Pflanzendecke der Erde denken, so werden Sie finden, daß die Astralleiber der Pflanzen einer an den anderen grenzen und sie ein Ganzes bilden, von dem die Erde eingehüllt ist wie von physischer Luft, von der Pflanzenastralität. Wenn die Pflanzen nur einen Ätherleib hätten, würden sie so wachsen, daß sie nur Blätter, keine Blüten ansetzen würden, denn das Prinzip des Ätherleibes ist Wiederholung. Wenn eine Wiederholung abgeschlossen und ein Abschluß gebildet werden soll, muß ein Astralleib dazukommen.

So können Sie am Menschenleibe selbst betrachten, wie das Ätherische und das Astrale zusammenwirken. Denken Sie sich die aufeinanderfolgenden Ringe des Rückgrats. Da gliedert sich Ring an Ring. Solange dies geschieht, wirkt hauptsächlich das ätherische Prinzip im Organismus. Oben, wo die knöcherne Schädelkapsel eintritt, dort überwiegt das Astrale, nämlich dort hat das Astrale das Übergewicht. Also das Prinzip der Wiederholung ist das Prinzip des Ätherischen, und das Prinzip des Abschlusses ist dasjenige des Astralen. Die Pflanze würde oben nicht abgeschlossen sein in der Blüte, wenn sich nicht in das Ätherische das Astrale der Pflanzennatur senken würde.

Wenn Sie eine Pflanze verfolgen, wie sie den Sommer hindurch wächst und dann im Herbste Früchte trägt und dann anfängt zu welken, also wenn die Blüte anfängt zu ersterben, dann zieht sich das Astrale wieder aus der Pflanze zurück nach oben. Das ist ganz besonders schön zu beoachten. Während das physische Bewußtsein des Menschen im Frühling seine Freude haben kann an dem Erblühen der Pflanzen, wie sich Flur um Flur mit herrlichen Blüten bedeckt, gibt es für das hellseherische Bewußtsein noch eine andere Freude. Wenn gegen den Herbst zu die Pflanzen, die einjährig sind, absterben, dann leuchtet es und huscht hinauf wie huschende Gestalten, die sich als astrale Wesenheiten herausbegeben aus den Pflanzen, die sie den Sommer hindurch versorgt haben. Hier ist wieder eine Tatsache, die uns in dem poetischen Bilde entgegentritt, das nicht verstanden werden kann, wenn nicht hierin das hellseherische Bewußtsein verfolgt werden kann. Da sind wir schon in einem intimen Felde des astralen Bewußtseins. Aber bei Völkern der Vorzeit, wo solche intime Hellseher vorhanden waren, da war auch schon dieses Sehen im Herbst vorhanden. Sie finden bei dem hellseherischen Volke Indiens in der Kunst das wunderbare Phänomen dargestellt, daß ein Schmetterling oder ein Vogel hinausfliegt aus einem Blütenkelch. Wiederum ein solches Beispiel, wie in der Kunst etwas aufsteigt, wo durchaus das hellseherische Bewußtsein zugrunde liegt aus jenen fernen Zeiten her, wo entweder das hellseherische Bewußtsein in den Künstlern gewirkt hat oder als eine Tradition beachtet wurde." (#Rudolf Steiner: Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen durch Anthroposophie, GA 108, Erster Vortrag, Wien, 21. November 1908 1.Vortrag)

Der menschliche Astralleib ist sogar in gewisser Weise ein Kompendium der Formen des Pflanzenreiches, so wie der Ätherleib die zusammengedrängten Formen des Tierreichs in sich enthält.

"... wenn wir unseren astralischen Leib betrachten, wenn wir ihn so absondern könnten, wie ich das jetzt angegeben habe für das Absondern des ätherischen Leibes, da würde er zerfallen, denn auch er ist nur durch die Elastizität des physischen und Ätherleibes zusammengehalten; da würde er zerfallen und würde etwas darstellen, was so ähnlich wäre, wie das gesamte Pflanzenreich. Wirklich, in uns steckt dadurch, daß wir einen astralischen Leib haben, alles, was in den Formen des Pflanzenreiches in Mannigfaltigkeit draußen in der Welt sich ausbreitet. Wenn Sie die ganze Pflanzenwelt studieren in der Art und Weise, wie sich Form neben Form stellt, so haben Sie ein äußeres Bild, ein auseinandergefächertes Bild desjenigen, was zusammengezogen ist im menschlichen astralischen Leibe. Auch das gehört zum verlorengegangenen Worte. In der Urweisheit war Bewußtsein von diesen Dingen vorhanden. Daher hat man sich gesagt: Also ist im Menschen etwas, was seine tief-innerste Verwandtschaft mit der Baum-, mit der Pflanzennatur zum Ausdrucke bringt. Lesen Sie die germanische Mythologie; Mythologien sind ja nur ein später Ausdruck der Ur-Weisheiten der Menschen. Da sehen Sie, wie das erste Menschengeschlecht gewonnen wird aus Esche und Ulme, und Sie haben darinnen steckend etwas von einem Bewußtsein dieser Verwandtschaft des Menschen mit der Pflanzennatur, die ja ihre Grundlage darinnen hat, daß der Mensch selber während der Sonnenzeit auf der Stufe des Pflanzenreiches, während der Mondenzeit auf der Stufe des Tierreiches gestanden hat." (Rudolf Steiner: Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste, GA 167 (1962), Siebenter Vortrag, Berlin, 25. April 1916, 7.Vortrag)

Es ist daher durchaus zutreffend, dass jeder Seelenregung, die wir innerlich seelisch erleben, eine ganz bestimmte Pflanzenform draußen in der Natur entspricht, die durch ihre Gestalt, durch ihre Wachstumsgeste gleichsam der realsymbolische Ausdruck dieser inneren Empfindung ist.

"Auch Pflanzen «sprechen» nicht nur zu den Sinnen und dem Verstand. Sie berühren das menschliche Gemüt. Ein Maiglöckchen «wirkt» innig, der blaue Eisenhut streng. Wir sprechen von der kraftvollen Eiche, der lieblichen Birke und dem bescheidenen Veilchen. Das alles sind Anmutungserlebnisse im Bereich der ästhetischen Naturerfahrung. Ihnen haftet sicher Subjektives an. Aber eines ist unabweisbar: die Dimension des Rätselhaften. Wo der Mensch Rätsel erlebt, weiß er, daß in den Dingen etwas enthalten ist, was in dem bisher Erkannten, möglicherweise aber auch in den verfügbaren Erkenntnismethoden nicht aufgeht.

Wenn es gelingt, das, was man in solchen Anmutungserlebnissen als Rätsel empfindet, mit dem erkennenden Bewußtsein zu durchdringen, dann wird die Kluft zwischen rationaler Klarheit und den unbestimmten Dimensionen des ästhetischen Erlebens überwunden; denn die Klarheit des Erkennens wird in das Gebiet des bisher nur Erlebten ausgeweitet. Wie aber kann man das, was man als Anmutung beim Betrachten von Pflanzen erlebt, bewußt erfassen? Man muß jenen Bereich, der beim ästhetischen Anschauen im eigenen Innern auflebt, genau kennenlernen. Das sind innere Seelenzustände, vor allem Gefühle. Man wird auch die Pflanzen in ihren Formen und Farben eingehend betrachten. Dann kann sich zeigen, inwieweit sich im Menschen bisher verschlossene Bereiche der Pflanzenwelt aussprechen.

Man betritt ein neues Gebiet des Forschens, indem man das Objektivitätspostulat der modernen Naturwissenschaft, die Forderung, die Natur objektiv, d.h. unter Ausschluß des Menschen zu untersuchen, aufgibt. Wir wollen nicht erörtern, inwieweit dieses Postulat schon immer eine Fiktion war, sondern darauf hinweisen, daß eine methodische Erweiterung des Naturerkennens nur möglich ist, wenn man die von diesem Postulat bestimmten Grenzen überschreitet. Man muß allerdings, um nicht ins Ungewisse und Unüberprüfbare zu kommen, mit großer Sorgfalt vorwärtsschreiten und sich von jedem Schritt Rechenschaft geben." (Ernst-Michael Kranich: Pflanzen als Bilder der Seelenwelt, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart (1996), S. 10)

Die erste Anlage des Astralleibes wurde auf der planetarischen Entwicklungsstufe des alten Mondes geschaffen. Er ist damit entwicklungsgeschichtlich jünger als der Ätherleib und der physische Leib und daher noch vergleichsweise wenig entwickelt. Die Seelenorgane des Astralleibes, die Lotosblumen oder Chakras können aber, wie oben erwähnt, durch entsprechende geistige Schulung bewusst weiter entfaltet werden.

Dem hellsichtigen Blick zeigt sich der Astralleib als eiförmige, innerlich bewegte Wolke, in deren Mitte der physische Körper steht. In der bildenden Kunst wurde die Astral-Aura häufig als Mandorla dargestellt. Bei verschiedenen Menschen ist die Größe dieser Aura verschieden. Doch kann man sich etwa vorstellen, daß der astralische Mensch durchschnittlich doppelt so lang und viermal so breit erscheint als der physische.

Begierden und Triebe zeigen sich in flutenden Farben und Formen:

"In roten Farbennuancen durchziehen Gedanken, welche dem sinnlichen Leben entspringen, die Seelenwelt. In schönem hellem Gelb erscheint ein Gedanke, durch den der Denker zu einer höheren Erkenntnis aufsteigt. In herrlichem Rosarot erstrahlt ein Gedanke, der aus hingebungsvoller Liebe stammt." (Rudolf Steiner: Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, GA 9, Kapitel VI. Von den Gedankenformen und der menschlichen Aura (1904))

Das Temperament des Menschen, das eigentlich im Ätherleib wurzelt, zeigt sich als Grundstimmung der Aura.

Der von vielen niederen Trieben durchzogene Astralleib eines noch wenig entwickelten Menschen hat eine rötlich-graue bis grau-braune Grundfarbe, wie man sie ähnlich auch bei gewissen Tieren findet. Der Astralleib eines geistig hochentwickelten Menschen zeigt Strahlungen, die von dem bläulich bis dunkelviolett schimmernden Ich-Zenrum ausstrahlen. Wie die Persönlichkeit des Menschen geartet ist, d.h. wie stark oder schwach sein Ich die unteren Wesensglieder und namentlich den Astralleib durchstrahlt, zeigt sich deutlich an der Aura:

"Für den Hellseher ist dies durchaus erkennbar. Er sieht den Menschen von einer farbigen Aura umflossen, in der sich seine Stimmungen, Leidenschaften, Gefühle, Empfindungen in Farbströmungen und Farbwolken genau ausdrücken. Versetzen wir uns in die Zeit, in welcher die drei Wesensglieder erst bereit waren, das menschliche Ich aufzunehmen, so würden wir auch bei diesem noch nicht ganz Mensch gewordenen Wesen eine Aura finden. Es würden aber darin die gelben Strömungen fehlen, in denen die höhere Natur des Menschen zum Ausdruck gelangt. Starke Persönlichkeiten haben eine stark gelb strahlende Aura. Nun kann man eine starke Persönlichkeit sein, aber ohne Aktivität, man kann innerlich stark reagieren, ohne ein Tatenmensch zu sein. Dann zeigt die Aura gleichwohl viel Gelb. Ist man aber ein Tatenmensch und wirkt sich die Persönlichkeit in der Außenwelt aus, so geht das Gelb allmählich in ein strahlendes Rot über. Eine rot strahlende Aura ist die eines Tatenmenschen; sie muß aber strahlen.

Doch gibt es eine Klippe, wenn die Persönlichkeit zu Taten drängt. Das ist der Ehrgeiz, die Eitelkeit. Davon können besonders leicht starke Naturen befallen werden. Der Hellseher sieht dies in der Aura. Ohne den Ehrgeiz geht das Gelb unvermittelt in Rot über. Ist der Mensch jedoch ehrgeizig, so hat er viel Orange in der Aura. Diese Schwelle muß man überwinden, um zur objektiven Tat zu gelangen.

Schwache Persönlichkeiten sind solche, die mehr darauf gerichtet sind, daß man ihnen gibt, als daß sie geben und etwas tun. Da sehen Sie dann hauptsächlich blaue Farben, und wenn die Menschen besonders bequem sind, die Indigofarbe. Es bezieht sich dies mehr auf die innerliche Bequemlichkeit als auf die äußere.

Sie sehen, wie sich in der Aura des Menschen die starke oder schwache Persönlichkeit abspiegelt." (Rudolf Steiner: Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft, GA 96, Berlin, 12. Juni 1907, S. 322)

Literatur

  1. Ernst-Michael Kranich: Pflanzen als Bilder der Seelenwelt, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart (1996)
  2. C. W. Leadbeater: Man Visible and Invisible, The Theosophical Publishing House, London 1902
  3. Rudolf Steiner: Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, GA 9 (1904)
  4. Rudolf Steiner: Über die astrale Welt und das Devachan, GA 88 (1999), Erster Vortrag, Berlin, 28. Oktober 1903
  5. Rudolf Steiner: Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft, GA 96, Berlin, 12. Juni 1907
  6. Rudolf Steiner: Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen durch Anthroposophie, GA 108, Erster Vortrag, Wien, 21. November 1908
  7. Rudolf Steiner: Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste, GA 167 (1962), Siebenter Vortrag, Berlin, 25. April 1916

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